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Katharina Enders

1875 geboren und schon 1935 gestorben

Oma Enders

lebte an der Ripshorster Straße 371




Die NRZ Oberhausen am 13. Oktober 1995:

NRZ 13.10.95 [Oma Enders]

Von SASCHA UNGER

  Es soll ja Menschen geben, die die Ripshorst-Siedlung lieber heute als morgen abreißen würden. Nicht so Alfred und Christel Witkowski: Als die Arbeiterhäuser an der Rlpshorster, Werk- und Thomasstraße vor zehn Jahren besetzt worden sind, haben sie die jungen Leute mit Teppichboden und anderen Dingen unterstützt. "Es wäre doch eine Schande gewesen, die schönen Häuser einfach zuzumauern", erzählt die 60jährige Christel Witkowski, die immer im Garten ihrer Großmutter - "Oma Enders" - spielte. Deren Bild ist nun im Gasometer zu besichtigen. Dabei war Oma Enders eigentlich "nur" eine ganz normale Frau . . .

  So normal, daß sie die Organisatoren der Ausstellung "Feuer und Flamme" zur Symbol-Hausfrau für das Ruhrgebiet der Jahrhundertwende machten. Katharina Enders, 1875 geboren und schon 1935 gestorben, lebte an der Ripshorster Straße 371 und galt als eine Institution in der nie vollendeten Arbeitersiedlung.

  Aufmerksam geworden sind die Mitglieder des "Riwetho"-Mietervereins auf "Oma Enders" bei der Aufarbeitung der Geschichte ihrer Siedlung. "Den Auslöser hat ein ganz bestimmtes Ausstellungsstück im Gasometer gegeben", erzählt Jochen Kappenberg vom Verein. "ln einer Vitrine steht nämlich ein Einmachglas mit Wasser. Nachdem die Trinkwasserversorgung durch Kriegszerstörung zusammengebrochen war, hatte eine Mutter Wasser aus einem Bach entnommen und es für ihre zwei Kinder eingekocht."

  Die Mitglieder von "Riwetho" waren davon so beeindruckt, daß sie recherchierten, was denn damals eigentlich in ihrer Siedlung los war. Sie stießen auf alte Bilder - eines zeigte Oma Enders in ihrer Küche an der Ripshorster Straße. Auch kamen dabei zwei "Platzkarten der Bunkergemeinschaft Ripshorst" wieder ans Tageslicht: 1943 / 44 bauten 50 Bewohner in Eigenregie einen 2,50 Meter breiten und 50 Meter langen Luftschutzbunker für 150 Menschen. Jede am Bau beteiligte Familie erhielt "Platzkarten" für die Benutzung. Ausgestattet war der Bunker mit hölzernen Sitzbänken, in denen die Platzkartennummern eingebrannt waren. Im Gasometer sind die Karten Nr. 51 und 52 der Familie Kubenek zu sehen.

  Aber zurück zu Oma Enders: Als Christel Witkowski erfahren hat, daß im Zuge der Neuauflage von -"Feuer und Flamme" nun auch ihre Großmutter in einer Vitrine residiert, haben sie und ihre Familie sich sofort auf zum Gasometer gemacht und gesucht. "Vergeblich", erzählt sie, "einen ganzen Vormittag lang sind wir ein paar Mal durch die Ausstellung gegangen, haben aber nichts gesehen."

  Zugegeben: Man kann das Bild vom Oma Enders durchaus übersehen, ist es doch gerade einmal 9 x 13 Zentimeter groß. Aber die Geschichten, die damit verbunden sind, bleiben immer wach. Dabei hat niemand der heutigen Witkowskis Oma Enders selbst kennengelernt. Deren Sohn - also Christels Vater - hat jedoch bis 1971 in der "Ripse" gewohnt. "Das war richtig schön. Der Garten war riesig, und überall gab's Kaninchen und Hühner."

  Ihr Herz hängt immer noch an der Siedlung, und deshalb wünscht sie sich von ganzem Herzen deren Erhalt.






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