/ Archiv / Chronik / Neuzeit / Pressespiegel zum Ankauf

Pressespiegel zum Ankauf

Über den Ankauf der Siedlung am 28. Juni 2001 durch die RIWETHO eG.
wird natürlich in der Lokalpresse berichtet.

NRZ am 30. Juni 2001                WAZ am 30. Juni 2001

Am 14. Juli berichtet die Deutsche Presseagentur über Neugründungen von
Wohnungsgenossenschaften in allgemeinen
und uns als aktuelles Beispiel in speziellen.

NRZ am 14. Juli 2001                Buersche Zeitung am 14. Juli


Die NRZ am 30. Juni 2001:

"RIWETHO" am Ziel: 22 Thyssen-Häuser gekauft

GENOSSENSCHAFT / Zunächst wird Gemeinschaftshaus gebaut. Siedlung soll
in drei Jahren saniert sein. Volker Wilke: Günstige Miete wird erhalten.

     Die "Ripse" hat einen neuen Eigentümer - die Ripse. 20 Jahre nach der Besetzung der Siedlungshäuser an Werk-, Thomas- und Ripshorster Straße veräußerte Thyssen jetzt die verbliebenen 68 Wohnungen an die Bewohner-Genossenschaft "Riwetho". Über die Höhe des Kaufpreises wurde von den neuen Eigentümern keine Auskunft gegeben. Nur so viel: Der von Experten ermittelte Instandsetzungsstau im Höhe von 4,5 Millionen Mark sei bei der Preisfindung berücksichtigt worden.

     lmmer wieder hatten Liquiditätsprobleme das genossenschaftliche Vorhaben behindert, das gestern von Vertretern der "Riwetho" auf insgesamt acht bis neun Millionen Mark beziffert wurde. Erst eine Landesbürgschaft für die Fördermittel machte jetzt den Weg frei: Am Montag dieser Woche wurde die "Riwetho"-Genossenschaft beim Amtsgericht ins Register eingetragen, am Donnerstag der Kaufvertrag unteschrieben. Parallel hatten Architekten in der Vergangenheit ein Modernisierungsgutachten erstellt, das als Schwerpunkte eineWärme-lsolierung der Häuser, neue, dem Denkmalschutz entsprechende Holzsprossen-Fenster (mit Iso-Verglasung), neue Ver- und Entsorgungsleitungen, Bäder, Heizungen, neue Dächer sowie eine Keller-lsolierung ausweist.

Gutachten für Gemeinschaftshaus

     Zudem wurde ein Gutachten für das etwa 140 Quadrabneter große Gemeinschaftshaus erstellt, das als erstes in Holzständerbauweise auf der Freifläche (Ripshorster Straße / Werkstraße) errichtet werden soll. In dem Haus wird es u.a. einen Versammlungsraum, das Büro der Genossenschaft sowie eine Werkstatt geben, die auch nach der auf drei Jahre veranschlagten (und vertraglich festgeschriebenen) Sanierung der Siedlung erhalten bleiben soll - für Instandsetzungsarbeiten.

     Um den finanziellen Grundstock zu schaffen, müssen 82 Genossen nun jeweils 10000 Mark einzahlen. 20 sind Vollzahler. Für 14 Sozialhilfeempfänger übernimmt die Stadt den Anteil, weitere 32 Genossen mit Wohnberechtigungssschein erhalten ein Landesdarlehen in Höhe von 9000 Mark. Die verblieben 1000 Mark müssen sie selbst erbringen. Hinzu kommen Einzahlungen (ab 1000 Mark) von Genossen, die selbst nicht in der Siedlung wohnen, die aber das Projekt gut finden.

     Weitere 500 000 Mark würden durch Eigenleistungen erbracht. Jeder Genosse ist verpflichtet, 330 Stunden Selbsthilfe zu leisten, zuzüglich der Stunden für den Bau des Gemeinschaftshauses.

Straßen werden auch saniert

     Insgesamt 22 teilweise bis zu 110 Jahre alte Häuser stehen jetzt zur Sanierung an. Hinzu kommen die Werk- und die Thomasstraße als Privatstraßen, in denen nicht nur die Fahrbahndecken und die Bürgersteige, sondern auch die Kanäle erneuert werden müssen.

     Ziel der Genossenschaft ist es, den 230 Bewohnern (60 Prozent Migranten) eine günstige Wohnmöglichkeit (7,15 Mark Miete pro Quadratmeter nach Modernisierung) zu erhalten.

     Volker Wilke, Grünen-Ratsherr und Werkstraßenanwohner nutzte gestern die Gelegenheit GEG-Geschäftsführer Horst Faßbender, dem Bereich Hochbau der Verwaltung und der Wohnbund-Beratung zu danken. Sie hätten sich weit über das zu erwartende Maß hinaus für die Realisierung des Vorhabens eingesetzt.

VOLKER STROMMENGER


Die WAZ am 30. Juni 2001:

Genossenschaft in der Ripse kauft alte Thyssen-Siedlung

20 Jahre langer Kampf um Visionen zahlt sich aus

     Widerstand gegen die Interessen der "Mächtigen" braucht Idealismus - und Geduld. In der Ripse zahlt sich beides jetzt aus. Die RlWETHO-Genossenschaft hält den unterschriebenen Kaufvertrag für die ehemalige Thyssen-Siedlung in den Händen. KleinerRückblick: 1981 wird das erste leer stehende Haus an der Ripshorster Straße besetzt. Die Hausbesetzer wehren sich mit dieser Aktion gegen den drohenden Abriss durch Thyssen. Ein Jahr später lenkt der Regierungspräsident ein und untersagt den Abriss der Häuser. Im November 1983 werden erste Mietverträge mit Thyssen unterschrieben. In der Folgezeit reifen Genossenschaftspläne für die Siedlung.

     Heute erinnert sich Ralph Brunotte (41) immer noch an die wilden Zeiten Anfang der 80-er. Er zählte selbst zum harten Kern der Widerstandsbewegung. In den leer stehenden Häusern sei willkürlich randaliert worden, um den Abriss zu beschleunigen, sagt Brunotte. In anderen wiederum nicht. Dort hätten Altmieter zum Schein Gardinen aufgehangen und Plastik-Blumen in die Fenster gestellt. Denn leer stehende Häuser galten laut Landesverordnung als "zweckentfremdeter Wohnraum" und waren dem Abriss freigegeben.

     Damals. Heute läuft das Leben in der Ripse in beschaulicheren Bahnen. Visionen von damals können jetzt verwirklicht werden. Am Donnerstag einigte sich die "Genossenschaft für selbstverwaltetes, multikulturelles, soziales und ökologisches Wohnen (RIWETHO)" mit Thyssen auf den Kauf der Siedlung. "Die Verhandlungen dauerten seit Januar 1998 an", erzählt RlWETHO-Mitglied Volker Wilke. Schließlich habe man auf einen Kaufpreis bestanden, durch den der Mietzins auf niedrigem Niveau gehalten werden könne.

     Da die Genossenschaft seit Montag auch offiziell beim Amtsgericht eingetragen ist, kommt RIWETHO in den Genuss, als erste Wohngenossenschaft von einem neuen Förderinstrument des Landes erfasst zu werden. Ohne Landesforderungwäre das Projektnichtrealisierbar gewesen, sagt Wilke. Wegen der Bewohnerstruktur in der Ripse mangele es natürlich an Liquidität. Jetzt bürgt das Land für die Fördermittel.

     Begonnen wird das Ripse-Projekt in Kürze mit dem Bau eines Gemeinschaftshauses mit Versorgungsraum, Küche, Sozialräumen, Genossenschaftsbüro und Werkstatt. Ab Spätsommer werden die 82 Genossen die Sanierung der Häuser in Angriffnehmen. Drei Jahre sind für die Umbauphase vertraglich mit Thyssen fixiert worden.

Mirco Stodollick


Die Buersche Zeitung (Gelsenkirchen) berichtet am 14. Juli ausführlich aufgrund der dpa-Meldung:

Genossenschaft als "dritter Weg"

Mieter übernehmen Werkswohnungen - Land fördert neues Modell

VON MARTIN KLEINWÄCHTER (DPA)

     Immer häufiger trennen sich Wohnungsunternehmen von sanierungsbedürftigen Beständen. Bewohner solcher Werkswohnungen, städtischen Wohnungen sowie von Bahn- und Postwohnungen stehen vor dem Problem, sich entweder auf neue Hauseigentümer einstellen zu müssen oder ihre Mietwohnungen selbst zu erwerben.

     Das Düsseldorfer Bauministerium hat ihnen einen dritten Weg eröffnet: den Erwerb durch eine eigentumsorientierte Mietergenossenschaft. In Oberhausen wurde jetzt erstmals eine Siedlung auf eine solche Genossenschaft überschrieben.

     RIWETHO heißt die Genossenschaft in Neu-Oberhausen. Gegründet wurde sie 1998. Sie umfasst 23 Häuser aus der Zeit um 1900 mit 68 Wohnungen. Anfang der 80erJahre hatten Jugendliche einige der heruntergekommenen Häuser besetzt, später dann aber von Thyssen Mietverträge erhalten. Sie wehrten sich gegen den Abriss, setzten Denkmalschutz für die Siedlung durch und wurden schließlich zum Vorreiter für den von Düsseldorf propagierten dritten Weg.

     Auf vier Säulen steh tdas vom Land aufgelegte Förderprogramm. Es ermöglicht vor allem Mietern mit geringem Einkommen, Eigeninitiative zu übernehmen und auf diese Weise langfristig kostengünstig zu wohnen. Voraussetzung für die Gründung einer solchen Genossenschaft ist eine anerkannte Wirtschaftlichkeitsberechnung. Mieter mit Wohnberechtigungsschein (WBS) können zusätzlich ein zinsgünstiges Darlehen für die von ihnen aufzubringende Einlage in die Genossenschaft erhalten. ln Oberhausen sind das 90 Prozent von 10 000 Mark. Die Genossenschaft selbst erhält zusätzlich eine Landesförderung nach dem Anteil ihrer WBS-Empfänger. Außerdem steht den Genossen noch die bundesweite Eigenheimzulage zu. Voraussetzung dafür aber ist, dass die Genossenschaft ihren Mitgliedern langfristig die Möglichkeit eröffnet, selbst Eigentümer ihrer Wohnungen werden zu konnen.

Vorbild findet Nachahmer

     Volker Wilke, einer der Initiatoren in Oberhausen weiß heute, dass er für seine noch nicht sanierte Wohnung künftig 5,45 Mark pro Quadratmeter Kaltmiete an die Genossenschaft bezahlen muss. Bislang waren es fünf Mark. Nach der Modernisierung werden es 8,60 Mark sein. Durch Eigenleistung kann er das auf 7,20 Mark drücken.

     "Der Übergang an einen Investor hätte zum Auszug der meisten Mieter geführt", sagt Wilke. Die Landesregierung aber verfolgt mit ihrer Förderung das Ziel, die betroffenen Altbaulagen in ihrer sozialen Zusammensetzung zu erhalten.

     Oberhausen hat inzwischen Nachahmer gefunden. Eine zweite eigentumsorientierte Mietergenossenschaft in Köln steht vor der Gründung.

     In Duisburg werden Vorverhandlungen für ehemalige Eisenbahner-Wohnungen geführt. Und an zahlreichen anderen Orten beschäftigt man sich ebenfalls mit dem Modell.


Die NRZ berichtet nochmals am 14. Juli:

Mieter kaufen eine Siedlung

     OBERHAUSEN. Ein neues Wohnungskauf-Modell hatte gestern in Oberhausen Premiere: 23 Häuser mit 68 Wohnungen, die Thyssen gehörten, wurden erstmals von einer Mietergenossenschaft gekauft. Unterstützt vom Land gilt das Projekt als "dritter Weg", wenn Vermietern eine Sanierung zu teuer ist und Mieter vor der Frage stehen, ihre Wohnung kaufen zu müssen.

     Einige der heruntergekommenen Häuser wurden Anfang der 80er Jahre von Jugendlichen besetzt. Dann erhielten sie von Thyssen Mietverträge. Sie wehrten sich gegen den Abriss und setzten Denkmalschutz für die Siedlung durch. Jetzt haben die Bewohner, zu 90 Prozent Mietern mit geringem Einkommen, die Chance, die Wohnungen in Eigeninitiative zu übernehmen und so langfristig kostengünstig zu wohnen.

     Weitere Projekte gibt es schon: In Duisburg werden Vorverhandlungen für ehemalige Eisenbahner-Wohnungen geführt. (dpa)






© 2001 - 2002 RIWETHO online * Ripshorster Str. 367 * 46117 Oberhausen
Email an:        Webmaster